Ein eigener Server im Unternehmen oder lieber alles aus der Cloud? Diese Frage stellt sich fast jedem Betrieb mit 5–50 Mitarbeitenden irgendwann – spätestens, wenn die „alte Kiste im Abstellraum“ immer öfter zickt.
Ausgangslage: Die „alte Kiste im Abstellraum“
In vielen kleinen und mittleren Unternehmen steht noch ein in die Jahre gekommener Server irgendwo unter dem Schreibtisch oder im Abstellraum. Oft läuft darauf „irgendwie alles“: Dateien, Drucker, vielleicht E‑Mail oder eine Branchensoftware. Solange nichts passiert, wirkt das kostengünstig – bis es plötzlich doch passiert.
Typische Risiken solcher Alt‑Server:
- Hardware‑Ausfall ohne Ersatz: Fällt die Maschine aus, steht im schlimmsten Fall das ganze Unternehmen, bis Ersatz beschafft und eingerichtet ist.
- Kein oder unzureichendes Backup: Backups werden „manchmal“ gemacht, liegen auf derselben Hardware oder einem alten USB‑Laufwerk.
- Fehlende Sicherheit: Veraltetes Betriebssystem, keine Updates, schwache Zugangsdaten, kein durchdachtes Berechtigungskonzept.
- Abhängigkeit von „dem einen, der sich auskennt“: Wissen steckt in einer Person statt in einem strukturierten Betriebskonzept.
Die eigentliche Frage ist daher weniger „Cloud oder nicht?“, sondern: Wie wichtig ist es, dass Ihre IT verlässlich funktioniert – und wie hoch darf das Risiko sein?
Was bedeutet Virtualisierung
Virtualisierung heißt vereinfacht: Auf einem leistungsfähigen Server laufen mehrere „virtuelle Rechner“ gleichzeitig. Jeder dieser virtuellen Rechner verhält sich wie ein eigener Server mit eigenem System und eigenen Aufgaben.
Das bringt u.a. diese Vorteile:
- Zuverlässigkeit: Fällt eine virtuelle Maschine aus, kann sie auf anderer Hardware neu gestartet werden – im Idealfall nahezu ohne Ausfallzeit.
- Flexibilität: Neue Server‑Dienste (z.B. ein zusätzlicher Anwendungsserver) lassen sich als virtuelle Maschine in Minuten bereitstellen.
- Bessere Ressourcennutzung: Statt mehrere halb ausgelastete Kisten zu betreiben, wird ein leistungsfähiger Server sinnvoll ausgelastet.
Durch Virtualisierung wird ein moderner Server zur stabilen Plattform, auf der Ihre Anwendungen strukturiert und zukunftssicher laufen – ob im eigenen Haus oder im Rechenzentrum.
Die Cloud – Vorteile und Grenzen für KMU
„Die Cloud“ bedeutet, dass Ihre Server‑Dienste nicht in Ihrem Gebäude laufen, sondern in einem Rechenzentrum eines Dienstleisters. Der Zugriff erfolgt übers Internet, meist abgesichert über VPN oder andere Sicherheitsmechanismen.

Mögliche Vorteile der Cloud:
- Keine eigene Hardware vor Ort: Keine Serveranschaffung, kein Lüfter‑Lärm im Abstellraum, weniger Sorgen um Strom und Klimatisierung.
- Planbare Kosten: Statt großer Einmalinvestitionen zahlen Sie monatliche Beträge für Nutzung, Wartung und oft auch Backups.
- Hohe Verfügbarkeit: Professionelle Rechenzentren bieten Strom‑, Internet‑ und Hardware‑Redundanz, die vor Ort oft schwer darstellbar ist.
Aber es gibt auch Punkte, die bedacht werden müssen:
- Abhängigkeit von der Internetverbindung: Ohne Internet ist der Zugriff auf Ihre Systeme erschwert oder unmöglich.
- Datenschutz und Compliance: Es muss genau geklärt sein, wo die Daten liegen und welche gesetzlichen Anforderungen gelten.
- Laufende Kosten vs. Investition: Über mehrere Jahre kann eine reine Cloud‑Lösung teurer sein als eine gut geplante On‑Premises‑Infrastruktur.
In der Praxis ist die Entscheidung häufig kein „entweder oder“, sondern eine sinnvolle Mischung.

Vier typische Szenarien für 5–50 Mitarbeitende
Szenario 1: Kleines Büro, wenig Spezialsoftware
- 5–15 Mitarbeitende
- Nutzung: E‑Mail, Office, gemeinsame Dateien, vielleicht eine einfache Branchensoftware
- Kein Standortzweig, wenig Home‑Office
Oft ist hier eine Cloud‑lastige Lösung sinnvoll:
E‑Mail und Office aus der Cloud, Dateiablage ggf. ebenfalls; ein kleiner lokaler Server oder NAS für bestimmte Daten oder lokale Dienste kann ausreichen. Der Fokus liegt auf einfacher Verwaltung und möglichst wenig eigener Technik.
Szenario 2: Mittelständler mit Branchensoftware im Haus
- 10–50 Mitarbeitende
- Zentrale Fachanwendung (z.B. ERP, Warenwirtschaft), die besser lokal oder nur schwer in die Cloud verlagert werden kann
- Teilweise Home‑Office, ggf. mehrere Standorte
Hier eignet sich häufig ein moderner virtualisierter Server im Unternehmen:
Die wichtige Fachanwendung läuft lokal auf zuverlässiger Hardware, ggf. in mehreren virtuellen Maschinen. Ergänzend können Dienste wie E‑Mail oder Kollaboration in der Cloud liegen, um Erreichbarkeit und Zusammenarbeit zu verbessern.
Szenario 3: Stark verteiltes Team, viel mobiles Arbeiten
- 10–40 Mitarbeitende
- Viele Außendienstler, Home‑Office, wenig klassische „Büroarbeitsplätze“
- Fokus auf Erreichbarkeit, gemeinsame Dokumente, Besprechungen
Hier ist eine Cloud‑First‑Strategie oft ideal:
Kollaborationstools, Dateiablage und Kommunikation liegen in der Cloud, ergänzt um gezielte Sicherheitsmaßnahmen (z.B. zentrale Administration der Geräte, Mehr‑Faktor‑Authentifizierung). Ein lokaler Server ist höchstens noch für spezielle Aufgaben nötig – wenn überhaupt.
Szenario 4: Sensible Daten & spezielle Anforderungen
- 10–50 Mitarbeitende
- Verarbeitung sensibler Daten (z.B. Gesundheit, Finanzen, Forschung)
- Konkrete Compliance‑Vorgaben oder Kundenvorschriften
In diesem Szenario kann ein Hybrid‑Modell sinnvoll sein:
Kritische Anwendungen und Daten bleiben in einer gut geschützten On‑Premises‑Umgebung auf virtualisierten Servern. Weniger kritische Dienste wie E‑Mail, Kollaboration oder Archivierung können gezielt in die Cloud verlagert werden.
Wie trifft man nun die passende Entscheidung?
Ein guter Entscheidungsprozess besteht aus wenigen klaren Schritten:
- Ist‑Analyse: Welche Dienste laufen aktuell wo, wie wichtig sind sie und wie lange dürfen sie im Störungsfall ausfallen?
- Risiko‑Bewertung: Was passiert, wenn der aktuelle Server morgen endgültig ausfällt – und wie schnell wären Sie wieder arbeitsfähig?
- Budget‑Rahmen: Bevorzugen Sie planbare monatliche Kosten oder eine einmalige Investition mit laufender Wartung?
- Zukunftsplan: Erwarten Sie Wachstum, neue Standorte oder mehr Home‑Office in den nächsten 3–5 Jahren?
Auf Basis dieser Punkte lässt sich entscheiden, ob für Ihr Unternehmen eher
- ein moderner, virtualisierter Server im Haus,
- eine weitgehende Cloud‑Lösung oder
- ein durchdachtes Hybrid‑Modell
Wenn Sie sich in einem der beschriebenen Szenarien wiederfinden und unsicher sind, wie Ihre zukünftige Server‑ und Cloud‑Strategie aussehen sollte, hilft ein strukturierter IT‑Check. Dabei werden die wichtigsten Systeme, Risiken und Anforderungen aufgenommen und daraus eine Empfehlung mit 1–2 passenden Varianten abgeleitet – verständlich, betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und ohne Technik‑Kauderwelsch.
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